Wie läuft ein gerichtliches Mahnverfahren ab?

Wie unsere Leser diesen Artikel bewerteten:
[Gesamt: 11 Durchschnitt: 3.5]

Ein gerichtliches Mahnverfahren einzuleiten, ist sehr einfach. Das funktioniert (auch) online und besteht erst einmal lediglich darin, ein Formular auszufüllen. Spannend ist, wie es nach dem Antrag weitergeht. Was ist, wenn der Kunde einfach nicht auf das Einschreiten des Gerichts reagiert? Was ist, wenn er widerspricht? Wir verraten es dir.

Ein gerichtliches Mahnverfahren wird normalerweise erst nach der letzten Mahnung eingeleitet.
Für alle Mahnungen davor bieten wir dir eine kostenlose Mahnungsvorlage.

 

Der Ablauf des gerichtlichen Mahnverfahrens

Du musst zunächst lediglich ein Formular ausfüllen, das du entweder als Vordruck z.B. in einem Schreibwarenhandel erhältst und dann bei deinem zusständigen Amtsgericht einreichst. Welches Amtsgericht für dich das richtige ist, erfährst du unter mahngerichte.de. Oder du findest das Formular online, wenn du “gerichtliches Mahnverfahren” und den Sitz deines Gerichts googelst.

Wenn du das Formular bei deinem Gericht eingereicht hast, wird dort geprüft, ob dein Antrag plausibel ist. Ob dein Anspruch wirklich berechtigt ist, wird nicht untersucht. Falls du beim Ausfüllen keinen Fehler gemacht hast und die korrekte Adresse deines Kunden genannt ist, wird ihm der gerichtliche Mahnbescheid vom Gericht zugestellt.

gerichtliches Mahnverfahren Ablauf

Ein gerichtliches Mahnverfahren ist zwar schnell eingeleitet, doch was passiert danach?

 

Die Reaktion deines Kunden

Dein Kunde hat jetzt 14 Tage Zeit, um zu reagieren:

  1. Wenn er gar nicht reagiert, erwartet ihn im nächsten Schritt ein Vollstreckungsbescheid, falls du diesen beantragst. Das bedeutet, dass der Gerichtsvollzieher bei ihm klingeln wird.
  2. Er legt Widerspruch ein. Das bedeutet, dass du jetzt überlegen musst, ob du deine Forderung vor Gericht mit einer Klage durchsetzen willst.
  3. Er ist vom gerichtlichen Schreiben eingeschüchtert und begleicht seine Schuld. Für dich bedeutet das ein Happy End

 

Die Gebühren eines gerichtlichen Mahnverfahrens

Die Gebühren, die beim Mahnverfahren anfallen, müssen erst einmal vom Antragsteller übernommen werden, werden bei einem erfolgreichen Verfahren aber vom Schuldner übernommen. Die Kosten sind auch nicht übermäßig hoch. Laut Gerichtskostengesetz lauten sie wie folgt:

  • Ausstehende Rechnungssumme bis 1.000 Euro: Gebühren betragen 32 Euro
  • Ausstehende Rechnungssumme bis 2.500 Euro: 54 Euro
  • Ausstehende Rechnungssumme bis 5.000 Euro: 73 Euro
  • Ausstehende Rechnungssumme bis 10.000 Euro: 120,50 Euro

Rechnungen in einer Minute schreiben mit dem Billomat Buchhaltungsprogramm
 

Tipp: Die Ankündigung eines gerichtlichen Mahnverfahrens kann Wunder wirken

Ein Griff in die Trickkiste – bereits erprobt und als wirksam getestet – kann möglicherweise den Aufwand, ein gerichtliches Mahnverfahren einzuleiten, direkt unnötig machen: Fülle einen Online-Antrag auf ein Mahnverfahren aus, wenigstens in Teilen. Speichere es als PDF ab, ohne es ans Gericht zu versenden. Schreibe deinem säumigen Kunden eine freundliche E-Mail, in der du ihn darauf hinweist, dass du im Begriff bist, ein gerichtliches Mahnverfahren einzuleiten. Hänge das PDF mit dem ausgefüllten Antrag an, um zu zeigen, dass du deine Worte ernst meinst.
In vielen Fällen genügt diese Androhung des Einschaltens eines Gerichts bereits, dass innerhalb weniger Tage die ausstehende Zahlung auf deinem Konto eingeht. Falls das nicht der Fall ist, kannst du das ausgefüllte Formular jederzeit wirklich ans zuständige Gericht absenden.

 

Widerspruch gegen den Mahnantrag – Gerichtliches Mahnverfahren Ablauf

Im weiteren Ablauf nach dem Ausfüllen des Mahnantrags informiert das Gericht deinen Schuldner über die Angaben, die du in deinem Mahnbescheid Vordruck gemacht hast. Nachdem du ein gerichtliches Mahnverfahren eingeleitet hast, haben keine weiteren Mahnstufen gesetzlich eine Wirkung. Jetzt hat dein Schuldner zwei Wochen Zeit, um deinem Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids zu widersprechen. Erfolgt ein Widerspruch, dann erhältst du ein entsprechendes Schreiben vom Mahngericht. In diesem informiert dich das Gericht auch über die Kosten, falls du ein Gerichtsverfahren einleiten möchtest. Der Widerspruch setzt dem Mahnverfahren ein Ende. Um deine Forderung nach einem Widerspruch durchzusetzen, musst du Klage einreichen.
Dein Schuldner kann jedoch auch einen Teilbetrag der Forderung anerkennen und gegen den restlichen Betrag Widerspruch einlegen. In diesem Fall kannst du eine Vollstreckung des anerkannten Teils beantragen. Zur Betreibung der offenen Forderung, gegen die dein Schuldner Widerspruch eingelegt hat, kannst du Klage erheben.

 

Antrag Vollstreckungsbescheid – so funktioniert´s

Hat dein Schuldner nach Ablauf von zwei Wochen weder bezahlt noch Widerspruch eingelegt, dann kannst du einen Vollstreckungsbescheid beantragen. Das Formular zum Vollstreckungsauftrag erhältst du zusammen mit der Nachricht des Gerichts, dass dein Mahnantrag zugestellt wurde. Für den Antrag auf Vollstreckungsbescheid haben Gläubiger erheblich weniger Angaben zu machen, als wenn sie ein Mahnbescheid Formular ausfüllen. In das Formular trägst du noch einmal alle Anschriften und deine Forderungen ein. Hier gibst du auch an, ob und in welcher Höhe du nach Erlass des Mahnbescheids bereits Zahlungen erhalten hast. Sobald du deinen Antrag an das Gericht sendest, wird der Vollstreckungsbescheid gegen deinen Schuldner erlassen. Erhebt der Schuldner gegen den Bescheid über die Vollstreckung Einspruch, dann wird automatisch ein Gerichtsverfahren eröffnet.

 

Kosten Vollstreckungsbescheid – das kommt auf dich zu

Die Gerichtskosten, die im Rahmen des Mahnverfahrens für den Vollstreckungsbescheid anfallen, errechnet das Mahngericht automatisch. Die Kosten sind im Vollstreckungsbescheid aufgeführt. Für deinen Antrag auf Erlass des Mahnbescheides erhebt das Gericht eine halbe Gebühr auf den Streitwert, mindestens aber 32 Euro. Der Erlass des Vollstreckungsbescheides führt zu einer weiteren halben Gebühr bei mindestens 22,50 Euro. Grundsätzlich richten sich die Gerichtsgebühren nach der Höhe des Streitwertes und sind im Gerichtskostengesetz in einer Tabelle aufgeführt. So fällt zum Beispiel bei einem Streitwert bis 500 Euro eine Gebühr in Höhe von 35 Euro an und bis 10.000 Euro werden 241 Euro fällig.